Schichten einer Region
Kartenstücke zur räumlichen Struktur des Ruhrgebiets
“Ziel des aufwändigen und überaus aufschlussreichen und anschaulichen Materials ist es, eine Argumentations- und Diskussionsgrundlage für die Weiterentwicklung des Ruhrgebiets zu liefern und dabei nicht zu kurz zu springen”
German Architects
PRÄSENTATION DES PROJEKTS. Ausstellung und Publikation
Das Ruhrgebiet ist in vielerlei Hinsicht eine einzigartige Region: In der Entwicklung zu einem der größten europäischen Ballungsräume der Schwerindustrie ebenso wie im Strukturwandel zu einer Technologie- und Dienstleistungsregion.
Die Kartenstücke veranschaulichen einzelne thematische Schichten der Region in Karten, Grafiken und textlichen Erläuterungen. Sie gehen dabei über die bisher bekannten Darstellungen hinaus und zeigen überraschende Strukturen und Prozesse des aktuellen Wandels in siedlungsgeographischer, ökonomischer, landschaftlicher, ökologischer sowie sozialer und baulicher Hinsicht. Ziel ist es, neue Blickwinkel und Betrachtungsweisen des Ruhrgebiets zu eröffnen. Die zusammenführunde Darstellung liefert eine Grundlage zur weiterführenden Diskussion über die Gestaltung der Region.
Die Technische Universität Dortmund zeigte im Juni 2011 auf der Etage U1 des Dortmunder U das Ausstellungs- und Forschungsprojekt Schichten einer Region: Kartenstücke zur räumlichen Struktur des Ruhrgebiets. Die Ausstellung setzte sich anhand von Methoden der kartographischen Visualisierung mit den Besonderheiten des Ruhrgebiets in der Geschichte wie in der Gegenwart auseinander, mit besonderem Augenmerk auf Chancen und Perspektiven für die Zukunft. Ende Juli 2011 erschien das Kartenwerk als Publikation.
Zum Nachhören: Schichten einer Region im WDR
Inhalte
1. Keine klassische Metropole
Die Dimensionen des Ruhrgebiets als eines der größten urbanen Ballungsräume Europas legen nahe, die Region mit Mega-Cities in anderen Ländern zu vergleichen. Jede Stadtregion hat spezifische Eigenschaften bezüglich ihrer Raum- und Siedlungsdichte. Wird über das Ruhrgebiet als eine Metropole oder Stadt gesprochen, ist es sinnvoll zu fragen, in welchem Verhältnis die Region zu solchen “echten” steht: Ist das Ruhrgebiet im Vergleich auch eine klassische, oder eher eine besondere Metropole?
2. Kerne, Adern und Ränder
Obwohl dem Ruhrgebiet die Dichte der klassischen Metropolen fehlt und es sich eher um eine Ballung von mittelgroßen Städten handelt, bedeutet das nicht, dass die Region ein gleichförmiger Siedlungsbrei wäre. Ganz im Gegenteil, denn das Ruhrgebiet besteht aus einer Vielzahl unterschiedlich großer und unterschiedlich dicht bebauter Teilräume, die auf komplexe Weise miteinander verflochten oder, wie im Bild, durch Zäsuren der Infrastruktur voneinander getrennt sind und deren jeweiligen Kerne und Verbindungsbereiche besondere stadträumliche Qualitäten aufweisen. Dieses Gefüge offenbart ein großes Potenzial als Grundgerüst zur Weiterentwicklung der Region zu einem netzartig strukturierten Metropolraum mit ganz eigenen urbanen Eigenschaften.
3. Polyzentrische Aktionsräume
Das Ruhrgebiet bietet durch seine zentrale Lage eine gute Erreichbarkeit in Europa und Deutschland. Ebenso wichtig ist jedoch die Bewegung zwischen den Zielen der täglichen Mobilität innerhalb der Region und im Nahbereich. An den Dimensionen des Verkehrssystems und der wachsenden Mobilität sieht man die Vorzüge guter Erschließeung in der Region, aber auch ihre negativen Auswirkungen in Form von Treibhausgasemissionen, Verkehrslärm und Luftverschmutzung. Künftig wird es darum gehen, wie langfristig nachhaltige Mobilität durch integrierte Planung von Siedlungsstruktur und Verkehr erreicht werden kann. Dabei spielt die vorhandene polyzentrische Siedlungsstruktur des Ruhrgebiets eine Schlüsselrolle.
4.Soziales und ethnisches Mosaik
Im Themenbereich ethnisches und soziales Mosaik wird die Internationalität des Ruhrgebiet als Ausgangsbasis der nachindustriellen Entwicklung dargestellt. Dabei werden insbesondere die Herausforderungen im Bereich Bildungszugang und Sozialmilieus sowie Alterung und Schrumpfung und Effekte der ethnischen Ökonomien exemplarisch und im Gesamtraum gezeigt. Ein weiterer Fokus ist die Wirtschaftstätigkeit sowie Eigentumsbildung in Migrantenmillieus und ihre sozialräumlichen Einflüsse auf den Siedlungsraum. Im Abschluss stellt die Karte des sozialen Mosaiks des Ruhrgebiets eine Überschneidung der thematischen Schwerpunkte dar.
5. Landschaftsmaschine Ruhrgebiet
Die Landschaft des Ruhrgebiets wird als eine Landschaftsmaschine vorgestellt. Im Zuge der Umgestaltung der Emscher entsteht neben dem Ruhrtal und dem Hellwegland nun auch kultur- und Polderband, das nicht mehr durch die Industrie, sondern durch neue Entwicklungen im Zuge des Strukturwandels geprägt wird – die alte Industriemaschine wird z.T. zerlegt oder umfunktioniert, um neuen Aufgaben zu dienen.
6. Labor des Strukturwandels
Das Thema des Strukturwandels zeigt räumliche Aspekte der Umstellung der Wirtschaftsstruktur nach dem Industriezeitalter seit den 1960er Jahren. Es dokumentiert die besondere Rolle der Innovation und Bildung, aber auch die Suburbanisierung des Wissens und ihre räumliche Zersplitterung außerhalb der traditionellen urbanen Kerne. Neben einer Bewertung der im Süden etablierten Hochschul- und Technologielandschaft sucht es nach Innovationspolen im Norden des Ruhrgebiets.
7. Handlungsräume
Das Thema des Ruhrgebiets selbst soll insbesondere das Konstrukt des Verwaltungsgefüges und die mit ihm verbundenen verwaltungstechnischen, kooperativen und assoziativen Korrelationen aufzeigen. Die Genese des Ruhrgebiets durch den Kohleabbau und die damit verbundene Industrie wurde in mehreren Schritten durch eine Identitätsbildung aufgrund von unterschiedlichen Raumzugehörigkeiten abgelöst. Dabei zeigt sich, trotz aller auseinander strebenden Kräfte, insbesondere die Kooperation unter den einzelnen Städten, als die neue stärkende Kraft des Zusammenhalts.
8. Ruhrbanität:
Im abschließenden Themenabschnitt folgen mögliche Ansatzpunkte für eine Diskussion über die räumliche Entwicklung. Die Hauptthese, die diesen aufgrund der vorausgehenden Analysen zugrunde liegt, fußt auf der Erkenntnis, dass offenbar nicht ein fester Plan, sondern sektoral überschneidende, thematisch fokussierte und konsensbasierte Schlüsselthemen als Ausganslage für den weiteren strategischen Umgang mit der Region eine besondere Rolle spielen könnten.
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Projekt-Initiatoren
Christa Reicher, Jan Polívka, Frank Roost, Michael Wegener, Yasemin Utku, Klaus R. Kunzmann
& Fachgebiet Städtebau, Stadtgestaltung und Bauleitplanung , Fakultät Raumplanung, TU Dortmund
Projekt-Hauptbearbeiter
Mona el Khafif, Ludger Basten, Heike Hanhörster, Klaus R. Kunzmann, Sigrun Langner, Angelika Münter, Jan Polívka, Achim Prossek, Christa Reicher, Frank Roost, Yasemin Utku, Michael Wegener
Projekt-Co-Autoren
Markus Hero, Ivonne Fischer-Krapohl, Patrick Lausen, Michael Reilly, Björn Schwarze, Klaus Spiekermann, Tobias Terpoorten, Tobias Wendorff
An der Durchführung des Projekts ist das ILS Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH Dortmund beteiligt.
Kontakt
Univ. Prof. Dipl.-Ing. Christa Reicher, Fachgebietsleiterin
Dipl.-Ing. Jan Polivka, Projektleitung
TU Dortmund, Fakultät Raumplanung, GB III, Raum 509
August-Schmidt-Straße 10
44221 Dortmund
Tel: (0231) 755-2267
jan.polivka@tu-dortmund.de
christa.reicher@tu-dortmund.de
www.schichten-einer-region.de








