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2018

Jahrestagung Städtebauliche Denkmalpflege 2018

Big Beautiful Buildings. Als die Zukunft gebaut wurde
Ein Rückblick auf die Internationale Konferenz 2018:

Zusammengesetzt-web
Fotos: Uwe Grützner

Die Jahrestagung der Fachgruppe Städtebauliche Denkmalpflege 2018 war den Big Beautiful Buildings, den Großbauten der zweiten Moderne seit den 1950er Jahren gewidmet.
Den Auftakt bildete ein Tag mit Exkursionen und der Eröffnung der Ausstellung „Modern gedacht!“ des M:AI im Technischen Rathaus in Bochum, selbst ein Großbau der damaligen Zeit.
Die benachbarte Christuskirche, als Wiederaufbau 1956 entworfen von Dieter Oesterlin, bot den inspirierenden Rahmen für die eigentliche Tagung am Folgetag mit 25 Wortbeiträgen in einem dichten,
vielfältigen und international ausgerichteten Programm. Alle Veranstaltungsteile fanden großen Zuspruch.

Die Vielzahl der Bauwerke der Zweiten Moderne nach 1950, die aus nationalem und internationalem Kontext dargestellt wurden, belegte anschaulich das,
was Klaus Jan Philipp in seiner Festrede am Vorabend bereits dargelegt hatte: die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, die Fülle ganz unterschiedlicher Konzepte,
die sich einer Stilsystematik verweigern, aber auch die beeindruckende Innovationskraft. Aus Unterlagen des Deutschen Städtetages analysierte Raimund Bartella,
wie damals der Wille zur Modernität bei gleichzeitigem Wachstumsdruck einherging mit einem Defizit an konsistente Planung, zugleich aber bereits begleitet wurde
von mahnenden Diskussionen darüber „wie wir in Zukunft leben wollen“ – Diskontinuitäten zwischen sehr groß und kleinteilig, die sich im Bild der Städte niederschlugen.

Mit steigender Aufmerksamkeit wächst die Wertschätzung für die Bauten der Zeit, aber auch die Kritik, die Uwe Kammann am pointiertesten
zum Ausdruck brachte – Kritik an teilweise nicht menschengerechten Dimensionen, schlecht alternden Materialien und gelegentlich utopischen Nutzungsideen mit
mangelndem Bezug zur Lebenswirklichkeit. Wie groß die Unsicherheit in der Bewertung noch ist wird deutlich, wenn die britische Großwohnanlage Trellick Tower
im selben Jahr sowohl unter den TOP 3 der hässlichsten wie der schönsten Bauwerke in Großbritannien gekürt wurde. Aus Sicht der Denkmalpflege seien
aber keine gesonderten Kriterien für die Bewertung dieser Baustufe erforderlich. Dennoch bleibt die Frage, was erhalten werden solle und warum,
ohne die wichtige gesellschaftliche Aufgabe den Zufällen emotionaler Zuwendung zu überlassen. Manches müsse uns lieb, aber auch teuer sein,
meinte Anne Katrin Bohle im Grußwort des NRW-Bauministeriums. Die Grundlage können Bestandserfassungen liefern wie geschehen für die Nachkriegskirchen in NRW,
denen nun die öffentlichen Gebäude folgen sollen, aber einen vorab festgelegten Rahmen von 100 erhaltenswerten Bauwerken wie in den Niederlanden hielt man nicht für zielführend.
Nur die Leuchttürme erhalten oder Typisches bzw. Prototypisches, fragte Katja Hasche vom Forschungsverbund „Welche Bauwerke welcher Moderne“.

Als Ergebnis der Tagung kann festgehalten werden, dass Fragen der Denkmalwürdigkeit zu ergänzen wären um Fragen der Zukunftsfähigkeit und
die Diskussionen um Schönheit in eine solche um Qualitäten münden müsse, wenn Baukultur – und notwendigerweise zunehmend auch „Umbaukultur“ – befördert werden solle.
Es wurde klar, dass hier komplexe Geflechte in Rede stehen, einschließlich technischer Infrastruktur, einschließlich Landschaftsbauwerken wie im Ruhrgebiet den Revierparks,
einschließlich Bildungslandschaften. Welche Innovationen in den Bauten repräsentiert sind, technisch, sozial, kulturell, werde erst im internationalen
Vergleich deutlich. D.h. der Austausch auf internationaler Ebene, wie er im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 angestoßen wurde und
wie ihn die Fachgruppe Städtebauliche Denkmalpflege mit dieser Tagung praktiziert hat, müsse intensiviert fortgeschrieben werden.
Oliver Elser, Kurator der Ausstellung „SOS Brutalism“ im Deutschen Architekturmuseum, wünscht sich Erhaltungswege jenseits des formellen Denkmalschutzes,
um den Umgang mit diesen Bauwerken einzuüben unter Berücksichtigung der Fragen der Nachhaltigkeit und der Einbindung in den heutigen Kontext.
Constantin Alexander sieht aus seinen Erfahrungen mit dem Ihme-Center in Hannover heraus sogar die Chance für eine neue „Kulturtechnik des Reparierens“. „Mission (im)possible“ also,
wie Christa Reicher stellvertretend für die Fachgruppe in ihrem Schlusswort resümierte!

 
Dr. Gudrun Escher für die Fachgruppe Städtebauliche Denkmalpflege

 

 

Internationale Konferenz 2018: Big Beautiful Buildings. Als die Zukunft gebaut wurde

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Die Vergangenheit hinter sich lassen und eine bessere Zukunft aufbauen – das war der Geist, der die Nachkriegszeit geprägt hat. In vielen Ländern Europas ging es nicht nur wirtschaftlich bergauf, auch in Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft waren die 1950er bis 1970er Jahre unvergleichlich innovativ. Heute ist diese Zeit längst Geschichte, aber geblieben ist ihre Architektur: moderne Schulen, Universitäten und Rathäuser, Kirchen, Kaufhäuser und Wohnsiedlungen. Es waren Bauwerke für eine bessere Zukunft, nun sind sie das Erbe der Vergangenheit und zugleich eine wichtige Zeitschicht in unseren Städten.

Und gerade die Bauten und Großstrukturen, die seit dem Ende des zweiten Weltkrieges in den europäischen Städten errichtet worden sind, werden von der Allgemeinheit wenig geschätzt. Für dieses vielfach negative Image lassen sich verschiedene Gründe anführen. Diese reichen von einer sperrigen Materialität, einer Sanierungsbedürftigkeit bis hin zu einer mangelnden Integration in den Kontext. Zugleich keimt eine neue Wertschätzung im Umgang mit den Bauten und Strukturen der Nachkriegsära auf.

Die Konferenz, die am 30. und 31. Oktober 2018 in der Christuskirche Bochum stattfindet, ist ein Baustein des gleichnamigen Projektes „Big Beautiful Buildings“ (BBB) im Europäischen Kulturerbejahr 2018 „Sharing Heritage“.

 

Termin: 30. / 31. Oktober 2018
Ort: Christuskirche I Kirche der Kulturen, Platz des europäischen Versprechens, Bochum

Fachgruppe Denkmalpflege
Die Tagung wird durchgeführt in Kooperation mit StadtBauKultur NRW 2020  /
Ruhrmoderne e.V.  /  BDA NRW  / Werkbund NRW  /  DASL / Wüstenrot Stiftung