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Raumstrategien Ruhr 2035: Handlungsempfehlungen zur räumlichen Entwicklung der Agglomeration Ruhr

Hintergrund

Viele bisherige Konzepte, die sich mit der räumlichen, sozialökonomischen und funktionalen Fortentwicklung der Agglomeration Ruhr befassen, kennzeichnen sich durch die Nähe zu aktuellen Themen, vernachlässigen aber gleichzeitig die Genese räumlicher und gesellschaftlicher und Rahmenbedingungen, welche die Agglomeration Ruhr bis heute bestimmen. Auch die Zusammenhänge der gesellschaftlichen, insbesondere der wirtschaftlichen, sozialen und demographischen Entwicklung, sind bisher unzureichend mit den tatsächlichen räumlichen Eigenschaften und mit ihnen zusammenhängenden Handlungsdynamiken der Agglomeration Ruhr zusammen geführt.

Rückblickend bewegte sich die Entwicklungsplanung für die Agglomeration Ruhr

  • zwischen dem integrativen Ansatz des Entwicklungsprogramms Ruhr des Jahres 1968; räumliche Gesamtkonzepte zur Fortentwicklung der Agglomeration Ruhr sind dabei nach 1970 nicht mehr erarbeitet und zur Diskussion gestellt worden.
  • innerhalb punktueller Maßnahmen, die in die Regionalplanung der drei Regierungsbezirke und die Flächenutzungsplanung der seit 1975 insgesamt 53 Kommunen eingebettet waren
  • im Ansatz des perspektivischen Inkrementalismus der IBA Emscher Park
  • in den vielfältigen Konzepten und Ideen, auch parallel zu den etablieren Planungsstrukturen, in der Nach‐IBA‐Zeit, hervorzuheben sind die Planungen der Emschergenossenschaft und des RVR zum Emscher-Landschaftspark
  • und im Zuge der Vorbereitung eines Regionalplans des RVR nach zurück gewonnener Zuständigkeit seit 2010.

 

Die Zusammenführung von thematischen Untersuchungen und strategischen Überlegungen in gemeinsamen Darstellungen soll die Möglichkeit eröffnen, eine tiefer reichende Grundlage für die aktuell breit geführte, kritische und zugleich handlungsorientierte Diskussion über die Entwicklung des Ruhrgebiets zu schaffen.

Ob sich entsprechend „komplette“ Lösungen überhaupt aufzeigen lassen, mag offen bleiben. Eher wird es nicht mehr den einen richtigen Weg geben, der geradlinig umgesetzt werden kann. Sicher aber ist es mehr als sinnvoll, sich auf den Weg bedächtiger Planungs‐Experimente einzulassen. Inkrementalistische Planungskultur führt allerdings nicht zwingend zu einem klar abgrenzbaren Konsens über langfristige übergreifende raumplanerische Ziele. Jedenfalls ist es erforderlich, uüber die derzeitigen räumlichen und funktionalen Strukturen des bestehenden Siedlungsgefüges hinaus zu denken. Dabei verlangen Rahmenbedingungen wie der demographische Wandel, kontinuierlicher wirtschaftlicher Strukturwandel, Probleme der kommunalen Haushalte und neue energiewirtschaftliche Ziele nach strategisch angelegten Alternativen, die öffentlichen wie privaten Akteuren bei der erforderlichen Suche nach klaren Vorstellungen helfen. Die Vorstellungen darüber, wie diese aussehen, mögen heute auch visionär sein.

 

Ziel des Projekts

Im ersten Projektabschnitt (2009‐2011) wurden einzelne thematische Schichten der Region in Karten, Grafiken und textlichen Erläuterungen veranschaulicht (Projekt Schichten einer Region). Sie gingen dabei über die bisher bekannten Darstellungen hinaus und zeigten teils überraschende Strukturen und Prozesse des aktuellen Wandels in siedlungsgeographischer, ökonomischer, landschaftlicher, ökologischer sowie sozialer und baulicher Hinsicht. Ziel des Projekts war es, neue Blickwinkel und Betrachtungsweisen der Agglomeration Ruhr zu eröffnen. Vom Beginn an sollten die Ergebnisse des Projekts eine Grundlage zur weiterführenden Diskussion über die Gestaltung der agglomerativen Region werden. Das Ergebnis brachte eine zusammenführende Darstellung einer spezifischen Urbanität der Agglomeration Ruhr, die durch besondere Rahmenbedingungen gekennzeichnet wird. Für diese Eigenschaften wurde der Begriff der „Ruhrbanität“ geprägt, für den insbesondere die „Polyzentralität“ und die „Kompakte Region“ Schlüsselthemen darstellen.

 

Ziel des zweiten Projektabschnitts ist die weiterführende Ausarbeitung des Ruhrbanitäts-Konzeptes von einem Analyseergebnis zu einem Ausgangspunkt des strategischen Handelns. Dabei steht die Aufbereitung und Sichtbarmachung von aktuellen Prozessen und ihre konzeptionelle Weiterführung als Diskussionsgrundlage zur Beteiligung betroffener Akteure zu einem flexiblen Handlungsrahmen im Vordergrund.

Das Projekt soll

  1. die Befunde des Projekts Schichten einer Region (2009-20011) weiterführen und sie um jüngere und aktuelle Formate und Handlungsinitiativen wie den in Arbeit befindlichen Regionalplan des RVR, die Kulturhauptstadt Ruhr.2010 und Innovation City ergänzen.
  2. Ergebnisse ausgewählter vorliegender wissenschaftlicher Untersuchungen einbeziehen sowie Konzepte zur künftigen Fortentwicklung der Agglomeration Ruhr analysieren, dabei ihre Richtungsweisungen, mögliche Effekte und Konsequenzen in Szenarien abwägen, und die daraus folgenden Handlungsempfehlungen vergleichend textlich und graphisch darstellen.
  3. Konzeptionell insbesondere auf vier zentrale Themenbereiche fokussieren, um sie einer qualifizierten Diskussion über Handlungsoptionen zu stellen:

 

Inhaltliche Schwerpunkte

 

1. Weiterentwicklung von Siedlungsstrukturen mit dem Ziel der Steigerung von Urbanität und Resilienz in den Schwerpunkten  Wohnen und Wirtschaft:

Die Siedlungsstruktur der Agglomeration  Ruhr ist als Gesamtsystem historisch im Zusammenhang der Montanindustrialisierung gewachsen. Montanindustriell eigentümliches verbindet sich dabei positiv wie negativ mit auch anderswo vorfindbaren Siedlungstypologien, so erhaltenwerten Gründerzeitvierteln und singulären Denkmälern, den Leistungen des Wiederaufbaus der 1950er Jahre, den Fehlleistungen des Geschosswohnungsbaus der 1970er Jahre,  sanierungsfälligem Altbestand. Eigentümlich ist die Mischung verdichteter und weniger versichteter Siedlungsstrukturen, die klassische Suburbanisierung nicht hat entstehen lassen. Diese Eigentümlichkeit verlangt u.a. nach zentralisierender Verdichtungen und der Bildung innerer Ränder,  um den Herausforderungen der demographischen, raumökonomischen und sozialen Entwicklung  nicht nur stand zu halten

 

2. Strategien zur Lösung sozialer und demographischer  Herausforderungen durch Erziehung, Bildung und Wissen:

Die Agglomeration Ruhr ist von den globalen demographischen Veränderungen betroffen. Sie resultieren in einem steigenden Anteil Älterer infolge der Steigerung der Lebenserwartung bei gleichzeitigem Rückgang der Geburtenraten. Innerhalb der Agglomeration gibt es dabei Unterschiede, Zuwanderungen im Zusammenhang der Hochschulgründungen seit den 1960er Jahren und Migration aus anderen Regionen der Welt haben dazu beigetragen. Die jüngeren Generationen sind dabei zum Potential der Agglomeration geworden, die je durch Erziehung, Bildung und Wissen qualifiziert worden sind und qualifiziert werden müssen.

 

3. Neue Zentralisierungen und Dezentralisierungen innerhalb der Agglomeration Ruhr und ihre mögliche Institutionalisierung:

Der planerische Umgang mit der differenzierten Siedlungsstruktur und den Zufälligkeiten der kommunalen Grenzen führen zu Fragen nach der Abgrenzung vom Teilräumen innerhalb der Agglomeration, wie zum Verhältnis der acht zusammenhängenden Kernstädte und Hamms mit den kreisangehörigen Kommunen und der Kommunikation zwischen ihnen.

 

4. Strategien für eine nachhaltige Energiewirtschaft im Zusammenhang der wirtschaftlichen wie siedlungsräumlichen  Entwicklung 

Das Ende der Nutzung der Kernenergie und die Herausforderungen des Klimawandels haben drückenden Einfluss auf die Energiewirtschaft, für Angebot wie Konsum. Das gilt für die Agglomeration Ruhr in herausragender Weise. Das Projekt Innovation City ist ein erster Ansatz innovativer Energiewirtschaft, er muss zu einer Gesamtstrategie weiterentwickelt werden, bei der die räumlichen und städtebaulichen Erfordernisse wie die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen deutlich werden.  Beides ist relevant für den  intensiveren und flexiblen Umgang mit Brachflächen des Bergbaus.

 



Nebeninhalt

 

Laufzeit:

2013–2014

 

Projektleitung

Prof. Dipl.-Ing. Christa Reicher
E-Mail:

Dipl.-Ing. Jan Polívka
E-Mail:

Projektbearbeitung

Prof. Dipl.-Ing. Christa Reicher
E-Mail:

Dipl.-Ing. Jan Polívka
E-Mail:

Prof. Dr. Christoph Zöpel

 

Kontakt

Dipl.-Ing. Jan Polívka
E-Mail:

 

Kooperation:

Urbanes Labor
Autorenteam

 

Fördergeber:

RAG-Stiftung

 

Unterstützer:

Regionalverband Ruhr (RVR)
Emschergenossenschaft